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Yvonne Volkart
Virtuelle Identitäten. Weiblichkeit als Metapher des Posthumanen
Im Gegensatz zu vielen theoretischen Annahmen, dass neue Technologien
den Körper fundamental verändern, gehe ich davon aus, dass
es nicht die Technologien selbst sind, sondern vielmehr die
Fantasien und Fiktionen darüber, die Körper, Geschlechter,
Identitäten und Subjektivitäten modellieren. Insofern zeitgenössische
Medienkunst mein Untersuchungsfeld darstellt, steht im Wesentlichen
zur Debatte, welche Rolle die Kunst im Geflecht dieser unterschiedlichen
Interessenseinschreibungen in die jeweiligen Technologien
und deren Signifikanten spielt.
Im Zuge meiner Recherchen über aktuelle Körperbilder in der
Kunst fiel mir grob gefasst auf, dass es eine Tendenz zu einer
Verflüssigung, Virtualisierung, Verformbarkeit, Entgrenzung,
Transgression, Zersplitterung, Wucherung, Durchlässigkeit
bis hin zur Immaterialisierung und Absenz von Körpern gibt.
Diese Tendenz nenne ich „weibliche Symptomwerdung“, weil sie,
wie zu zeigen sein wird, mit tradierten und neuen Signifikanten
von Weiblichkeit zusammenfällt. Dass ich selbst in meiner
Untersuchung dadurch, dass ich Geschlechtsdichotomien annehme,
auch produziere, ist mir klar. Sie sind allerdings, so hoffe
ich zumindest, operationeller Art. Tatsächlich geht es mir
darum zu untersuchen und nach der Bedeutung zu fragen, inwiefern
und warum sich Geschlechtermetaphoriken insbesondere von
Weiblichkeit nicht verdünnt, sondern verdichtet haben, auch
wenn sie in anderer Gestalt auftreten.
Yvonne Volkart, freie Autorin und Kuratorin sowie Dozentin
für Sprache und Neue Medien an der Hochschule für Gestaltung
und Kunst, Zürich; Studium der Germanistik, Psychologie und
Kunstgeschichte in Zürich und Wien; verschiedene Lehraufträge
und Vorträge an internationalen Kunstinstitutionen, -akademien
und Universitäten; u.a. außerordentlicher Lehrauftrag für
Gender Studies an der Universität für Angewandte Kunst Wien
(1997-1999) und Universität Zürich, Abteilung Kunstgeschichte
(WS 2000/01). Sie ist Netzwerkerin für „Plug-In“, Basel, d.
h. initiierte ein Projekt mit Knowbotic Research für die Zeit
während der „Liste 2001“ (art Basel) und arbeitet an ihrer
Dissertation über virtuelle Identitäten (Universität Oldenburg).
Kuratorin der Ausstellungen: „Tenacity. Cultural Practices
in the Age of Bio and Information Technologies“, Swiss Institute
New York; „Widerspenstige Praktiken im Zeitalter von Bio-
und Informationstechnologien“ Shedhalle Zürich 2000: http://www.thing.net/~tenacity;
„Body as Byte. Der Körper als Informationsstrom“, Neues Kunstmuseum
Luzern, 23.3.-3.6. 2001, (http://www.kunstmuseumluzern.ch);
Internetsektion der Ausstellung „Double Life. Identität und
Transformation in zeitgenössischer Kunst“, Generali Foundation,
Wien, 10.5.-12.8.2001, (http://www.gfound.or.at).
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